Mieten statt Kaufen liegt im Trend.



Autovermieter machen weltweit Milliardenumsätze mit Vermietung, Carsharing und Leasing. Doch im ersten Halbjahr 2016 kämpften viele Branchengrößen mit Problemen. Woran liegt das?

Von Claudia Wiggenbröker, boerse.ARD.de

In der Branche herrscht ein harter Wettbewerb. Vor allem die US-Autovermieter Hertz und Avis Budget liefern sich
einen intensiven Preiskampf. Der soll ein Grund dafür gewesen sein, dass Avis im ersten Halbjahr 2016 einen Nettoverlust von 15 Millionen Dollar hinnehmen musste, Hertz ein Minus von 93 Millionen Dollar. Dagegen meldete der Sixt-Konzern, Marktführer in Deutschland, am Morgen einen Halbjahresüberschuss von knapp 57 Millionen Euro.

Trotz der Probleme einiger großer Konzerne auf dem umkämpften Markt drängen kleinere Unternehmen in den Markt: Startups wie Tamyca vermitteln Autos zwischen Privatleuten. Ein weiteres Beispiel ist der branchenfremde Gas-Riese Linde, der seit Juni eine wasserstoffbetriebene Carsharing-Flotte unterhält.

Vermietung: Das gewisse Etwas

Mietwagen sind gefragt. Weltweit summieren sich die Umsätze der Branchen laut Schätzungen inzwischen auf rund 50 Milliarden US-Dollar. Etwa die Hälfte davon entfällt auf den mit Abstand größten Markt, die USA. Aber auch in Deutschland sind Mietwagen längst ein Milliardengeschäft. Die Autovermieter wachsen dabei kräftig – auch durch Zukäufe – und sie setzen auf starke internationale Präsenz in vielen Ländern. Denn die Unternehmen wollen dort vor Ort sein, wo die Kunden auf Geschäftsreise gehen oder Urlaub machen, also für einige Tage oder wenige Wochen einen Wagen brauchen. Doch die Übernahme von kleineren, lokalen Autovermietern und der Ausbau der Flotte gehen ins Geld.

Die Vermietung von Ferien-Karossen läuft dafür gut: Die Anbieter bilden Kooperationen mit Hotels und Ferienparks und bauen die Präsenz an umsatzträchtigen Verkehrsknotenpunkten wie Flughäfen aus. Unterm Strich sind die Anbieter damit aber auch stark abhängig vom Tourismus, der wiederum angesichts des Terrors und globaler Spannungen unter Druck steht.

Die deutsche Vertretung von Hertz erklärt, dass ihre Autos nicht nur in den Ferienzeiten gefragt sind, sondern auch am Wochenende. Allerdings: Hier wollen die  Kunden nicht irgendein Auto – sie wollen Luxus. „Besonders im Trend liegen derzeit SUVs“, erklärt das Unternehmen. Man habe daher reagiert und die Auswahl in der Flotte ausgebaut. Der deutsche Marktfürher Sixt bestätigt: „Die Erfahrung hat gezeigt, dass hochwertig ausgestattete Fahrzeuge renommierter Marken gezielt nachgefragt werden.“ Premium-Wagen gehören beim US-Anbieter Avis ebenso zur Strategie.

Für eine andere Zielgruppe spielt dagegen die Umwelt eine wichtige Rolle: Für emissionsbewusste Kunden bieten die Anbieter oftmals Elektroautos an. Wer nicht selbst fahren will, wird ebenfalls bedient: Exklusive Fahrten mit Limousinen und Chauffeur werden beliebter.

Carsharing: Jetzt ein Auto

Als Statussymbol hat das Auto ausgedient – besonders junge Leute zeigen sich heute lieber mit dem neuesten Smartphone. „Das Mobilitätsbedürfnis in der Gesellschaft wandelt sich. Und stellt nicht mehr den Besitz eines Fahrzeugs, sondern die tatsächliche bedarfsgerechte Mobilitätsnutzung in den Vordergrund“, so der bayerische Autovermieter Sixt in seinem aktuellen Geschäftsbericht. Die Leute wollen also kein Auto für den Fall besitzen, dass sie eines brauchen, sondern sie wollen ein Auto haben, wenn sie es brauchen. Dank gut ausgebautem öffentlichen Verkehr gilt das vor allem für Einwohner von Großstädten.

Ein Trend, auf den die klassischen Anbieter reagieren mussten. In den Metropolen bieten sie daher Carsharing an.
Im Gegensatz zur klassischen Vermietung werden Autos den Kunden hier kurzzeitig überlassen – sogar minutenweise. Statt den Wagen zu einer festen Mietstation zurückzubringen, parkt man auf ausgewiesenen Parkplätzen oder frei im Stadtgebiet, sofern man einen Parkplatz findet.


 

Carsharing mit Car2go: „Die Leute wollen kein Auto besitzen, falls sie es brauchen – sondern ein Auto haben, wenn sie es brauchen.“

Zu den bekanntesten Carsharing-Anbietern gehört Car2go. Hinter dem Unternehmen stecken der deutsche Autobauer Daimler und der französische Autovermieter Europcar. Auch der deutsche Marktführer Sixt bietet – zusammen mit BMW – Carsharing an: DriveNow heißt das gemeinsame Unternehmen. Das Angebot wird angenommen, die Zahl der registrierten Nutzer stieg 2015 um die Hälfte. Branchenriese Hertz ist mit seinem Anbieter 24/7 dagegen in erster Linie mit Kleintransportern beim Möbelhaus Ikea aktiv. Der Konkurrent Avis Budget betreibt den Dienst Zipcar und sieht deutliches Potenzial für die Marke.

Die Autovermieter kooperieren zudem mit Nahverkehrsbetrieben: So kann man als Kunde der Münchener Verkehrsgesellschaft von Sonderkonditionen bei car2go und DriveNow profitieren. Beide sind auch bei der App switchh des Hamburger Verkehrsunternehmens Hochbahn vertreten. Sie zeigt an, welches Fortbewegungsmittel man am besten wählt, um ans Ziel zu kommen – die entliehenen Autos konkurrieren hier mit Bahn und Fähre.

Leasing: Im Wandel

In ihrem Leasinggeschäft stellen Autovermieter die komplette Fahrzeugflotte für Unternehmen. Sie bieten oftmals auch den Service, den hauseigenen Fuhrpark der Kunden in Schuss zu halten. Der Trend geht allerdings zu maßgeschneiderten und flexiblen Angeboten: „Bei Firmenkunden stehen Angebote zur Langzeitmiete als Alternative zum Fahrzeugleasing hoch im Kurs“, erklärt Hertz Deutschland. Auch gewerbliches Carsharing sei beliebt: Mitarbeiter eines Unternehmens haben keinen eigenen Dienstwagen mehr, sondern nutzen einen Wagen gemeinsam. Das sei mittlerweile eine beliebte Alternative zum eigenen Fuhrpark, so Hertz.

Doch nicht nur diese Trends stellen die Anbieter vor Herausforderungen. Die Vernetzung ihrer einzelnen Dienste wird immer wichtiger: Per Technologie soll für den Kunden die beste Lösung aus Mieten, Carsharing und Leasing gefunden werden.

Die Branche lässt sich also einiges einfallen, um den gesellschaftlichen und digitalen Wandel zu meistern. Das Rennen um die mobile Zukunft hat begonnen.

Ausgeschnitten aus: http://www.tagesschau.de/wirtschaft/autovermietung-101.html

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