Autobranche goes digital – Kooperationen von Microsoft

Volkswagen ist der größte europäische Automobilhersteller. Jahr für Jahr werden zig Millionen Fahrzeuge produziert. Doch natürlich macht auch vor dem Riesen aus Niedersachsen der Wandel nicht halt. Die vier Zukunftsfelder heißen kurz CASE. Oder anders ausgedrückt: Connectivity, Autonomous, Services und Elektrifizierung. Wir werfen einen Blick auf die Connected-Strategie.


Gerade in Sachen Connectivity besteht akuter Handlungsbedarf. Denn: Wie der Audi-CEO Bram Schot im Interview mit der renommierten „Auto, Motor und Sport“ erzählt, ist bereits heute Connectivity der Kaufgrund bei jungen Kunden. Und zwar in China, dem derzeit größten Automobilmarkt der Welt. Schot geht davon aus, dass früher oder später auch in anderen Verkaufsmärkten das Kundeninteresse an Connectivity zunehmen wird. Das deckt sich gut, denn sowohl die Generation Y (auch „Millenials“ bezeichnet), als auch die Generation Z (siehe #fridaysforfuture-Bewegung)sind die potentiellen Autokäufer in den nächsten Jahren. Beide Generationen – also die heute 14 bis 39-jährigen – sind mit dem Internet aufgewachsen. Es ist normal, Medieninhalte über Spotify, Netflix und Co. zu konsumieren. Zudem bekommen Design und Mode ein starkes Gewicht. So ist es konsequent, für diese Kundengruppe auch digitale Services in vernetzten Autos anzubieten. Volkswagen hat diesbezüglich aber nachholbedarf! Im aktuellen Polo VI (Typ AW) kostet gar ein einfaches Radio extra. Das ist für die anvisierte Zielgruppe ein „no-go“. Um zu verhindern, dass die Kunden einfach sich Halterungen für Ihr Smartphonekaufen und im Automobil verwenden, müssen sich die Infotainmentsysteme wandeln. Herbert Diess – CEO von Volkswagen – ist sich diesem Fakt bewusst, er fordert, dass die Festeinbau-Radio-/Navi-Systeme besser werden müssen. Denn aktuell würden manche Kunden dem Navi auf Ihrem Smartphone mehr Vertrauen, als dem Festeinbau-Navi. Wie können die Infotainmentsysteme von Volkswagen und Co. besser werden?

Der Kunde entscheidet, was mit seinen Daten passiert. Die Hersteller können nicht erwarten, dass sie per se alle Daten bekommen. Darum müssen wir kämpfen, mit guten Angeboten. Es liegt ja auch im Interesse des Kunden, dass wir Daten zum Beispiel zur Verbesserung der Verkehrssicherheit verarbeiten. Und wir müssen bei der Auswertung der Daten besser werden: Es gibt immer noch zu viele Autofahrer, die sich auf ihren Fahrten lieber auf die Informationen ihres Handys und nicht auf unsere [Anmerkung: die Festeinbau-Navigationssysteme der Autohersteller] Navigationsgeräte verlassen. Dr. Herbert Diess – CEO Volkswagen Group, CEO-Marke Volkswagen

 
 

Connectivity mit der Außenwelt – Kooperation als Schlüssel

 
 

  • Zusammenarbeit mit Microsoft wird digitale Dienste auf einer zentralen Webportal bündeln und Software-Updates Over-the-air ermöglichen.
  • VW ID.-Modelle werden die ersten Fahrzeuge der Marke Volkswagen mit Software-Updates Over-the-air sein.
  • VW Golf 8 wird der erste vollvernetzte Golf sein.


Connected Car-Services außerhalb des Autos am Beispiel der „Volkswagen Automotive Cloud“ (Quelle: Volkswagen).

Um zukünftig mehr digitale Dienstleistung rund um das Connected Car anbieten zu können, kooperiert der Volkswagen-Konzern mit einem Schwergewicht der IT-Industrie – Microsoft. Dabei wird der Redmonder Softwareschmiede kein Betriebssystem für Fahrzeuge entwickeln, sondern sich darauf konzentrieren, eine Plattform für Dienstleistungen aufzubauen. Derzeit wird die Volkswagen Group „One Digital Platform“ aus dem Boden gestampft. Darüber sollen dann auch verschiedene Webservices laufen – sowohl für Kunden, als auch für Vertragshändler. Diese umfassen:

  • Webportal „Volkswagen We“ mit unterschiedlichen buchbaren digitalen Services für Kunden. Hierzu zählen beispielsweise Software-Updates und Kartenupdates Over-the-air für neue Infotainmentsysteme.
  • Webseite für Kunden rund um neue Modelle und zur Online-Terminvereinbarung beim Vertragshändler.
  • Webseite für Vertragshändler mit Informationen zu neuen Modellen, Kontaktaufnahme mit Kunden uvm.
  • Backend für Software-Updates Over-the-air für vollvernetzte VW-Modelle. Andere Konzernmarken wie z.B. Audi können diese Funktion ebenfalls implementieren.

 
 

Perspektivisch könnten jedoch auch folgende Microsoft-Services in Modelle des VW-Konzerns angeboten werden:

  • Integration von E-Mailkonten aus Microsoft Office. E-Mail-Nachrichten können so während der Fahrt vorgelesen und Antworten diktiert werden.
  • Integration der Kontakte aus Microsoft Outlook.
  • Integration von Kalendern aus Microsoft Outlook.
  • Skype for Business als App im Infotainmentsystem.
  • Um die genannten Microsoft Office 365 In-Car-Services nutzen zu können, muss der Kunde bereits ein Office 365 Business-Abonnentsein.
  • Es genügt nicht, ein privat zahlender Office 365 Personal- oder Home-Abonnent zu sein.

Andere europäische Autohersteller, wie BMW und Mercedes bieten die Microsoft Office 365 In-Car-Services bereits seit längerem an.

  

 

 
 

Microsoft Connected Vehicle Platform – was ist das?

 
 


 

 
 

Beschreibung zur „Microsoft Connected Vehilce Platform“, die diverse Autohersteller nutzen, um eigene Webplattformen rund um Connected Cars aufzubauen (Quelle: Microsoft).

Diese Plattform entwickelt Microsoft für Automobilhersteller. Dabei laufen die digitalen Services allesamt mit Microsoft Azure-Technologien. Jedoch bekommen die Autohersteller spezifisch zugeschnittene Lösungen. Manche gesammelten Sensordaten verbleiben einfach im Auto, da diese derzeit nicht für Car2X-Kommunikation verwendet werden – das Connected Car bildet dann die Intelligent Edge. Während parallel dazu auf den Servern von Microsoft die Intelligent Cloud mit den Daten entsteht, die für die Car2X-Kommunikation gerade notwendig sind. Nutzt der Fahrer dann einen Volkswagen Connected Car-Service, dann werden die Daten von der Cloud ins Auto übertragen. Generell beinhaltet die Microsoft Connected Vehicle Platform folgende Dienstleistungen:

  • Smart Mobility mit Azure Maps. Dies meint einen Geospatial Index (also raumbezogenen Index) zu vernetzten Datenservices. Dadurch sollen Connected Cars und andere vernetzte Dinge in der Lage sein, sich gegenseitig austauschen zu können, wo beispielsweise der nächste Hügel auf der Strecke ist. Es ist jedoch kein Kartenmaterial; allerdings können Kartendienste wie TomTom oder Here Maps auf den Geospatial Index zugreifen und dadurch Ihre Kartendaten mit weiteren Informationen anreichern.
  • Autonomous development. Hierbei geht es um die Entwicklung der autonomen Fahrfunktionen. Die Mustererkennung der autonomen Fahrzeug soll dabei neben der teilweisen Speicherung in der Intelligent Edge, also im Auto, auch in der Cloud gespeichert werden. Das Ziel ist es die Erkennungsrate zu erhöhen. Je mehr Bilder mit erfolgter Mustererkennung in der Cloud als Datensatz zur Verfügung stehen, umso besser sollten die autonomen Fahrfunktionen mit Verkehrssituationen klarkommen, da dadurch mehr Trainingsdatensätze von autonomen Fahrzeugen genutzt werden können.
  • Marketing, Sales, Services. Damit ist ein Webportal gemeint, auf dem Kunden sich informieren oder Ersatzteile kaufen können.
  • Intelligent Supply Chain. Dies betrifft die Lieferkette, die mittels Online-Anbindung intelligent vernetzt werden.
  • Research, Development, Engineering. Hierbei geht es um Unterstützung für die Entwicklungs- und Forschungsabteilung des Automobilherstellers. Das kann beispielsweise den Einsatz von HoloLens-Brillen umfassen.

 

Microsoft ist also der „Plattform provider“ für Autohersteller. Wie dann die jeweils darauf aufbauenden Web-Services aussehen, das bestimmt dann Volkswagen beziehungsweise der jeweilige Autohersteller. Bei Volkswagen nennt sich diese Webplattform „Volkswagen Automotive Cloud“.

 
 

Beispiel – Volkswagen Automotive Cloud

  • Volkswagen-Konzern lässt von Microsoft die sogenannte Volkswagen Automotive Cloud entwickeln.
  • Diese One Digital Platform dient sowohl für vernetzte VW-Modelle, als auch als Service Plattform, auf der Vertragshändler und Kunden zum Beispiel online Werkstatttermine buchen können.
  • Perspektivisch sollen alle Konzernmarken die Volkswagen Automotive Cloud nutzen.


Die „Volkswagen Automotive Cloud“ wird mittels „Microsoft Connected Vehicle Platform“ aufgebaut und bildet die Schnittstelle sowohl für Endkunden als auch VW-Händler zum vernetzten VW-Fahrzeug (Quelle: Volkswagen).

Das Besondere an der Volkswagen Automotive Cloud ist, dass diese eine spezifisch von Volkswagen vorgegebenen Benutzeroberfläche (Frontend) besitzt. Die technische Basis stellt Microsoft mit der Microsoft Connected Vehicle Plattform, aber das sichtbare Interface ist komplett von Volkswagen vorgegeben und soll optisch zum Konzern passen. Sämtliche Daten werden von Volkswagen verwaltet, daher ist die Volkswagen Group auch der Ansprechpartner für Kunden.

 
 

Universelle Schnittstelle für alle Konzernmarken und noch mehr

  • Microsoft Connected Vehicle Platform als Whitelabel-Plattform.
  • Mehrere Autokonzerne nutzen die Dienstleistungen von Microsoft.
  • Jeder Automobilhersteller definiert ein eigenes Frontend, um die Markenidentität zu wahren.
  • Autohersteller sehen den Whitelabel-Ansatz von Microsofts Connected Vehicle Platform als Vorteil gegenüber IT-Konkurrenten wie Google. Denn eine eigene Benutzeroberfläche, die zur Automarke passt, ist den Auto-OEMs viel wert.

 
 

Die Microsoft Lösung ist jedoch nicht nur bei Volkswagen im Einsatz. Auch andere Autohersteller setzen diese Plattform ein. Dazu gehört die Renault-Nissan-Mitsubishi-Gruppe. Der französisch-japanische Autokonzern setzt bereits beim neuen Renault Clio auf die „Alliance Intelligent Cloud“, die man auf Basis von Microsofts Connected Vehicle Platform umgesetzt hat. Damit können Kunden dann folgendes machen:

  • Webseite „My Renault“ läuft nun auf der Basis „Microsoft Connected Vehicle Platform“ und somit auf Microsoft Azure-Servern und wird unter anderem Software-Updates für Renault-Modelle mit R-Link 2-Infotainmentsystem bereithalten.
  • Neu ist die Möglichkeit zur Fernwartung von Renault-Modellen mit „Alliance Intelligent Cloud“. So lässt sich z.B. am PC erkennen, wie es dem Auto geht und wann der nächste Service fällig wird.
  • Ebenfalls neu ist die Funktion, online einen Termin bei der Vertragswerkstatt machen zu können.
  • Die gleichen Online-Funktionen gibt es auch bei Nissan. Beim japanischen Autobauer muss zwingend das Nissan Connect 3-Navigationssystem im Fahrzeug verbaut sein, um die „Alliance Intelligent Cloud“ nutzen zu können.

 

Das „R-Link 2“ Multimedia- und Navigationssystem mit Touchscreen im Hochkant-Format (Quelle: Renault).

Bei der Umsetzung wird klar, dass der Redmonder Softwarehersteller, kein eigenes Operating System für vernetzte Fahrzeuge mehr entwickelt. Denn Renault verwendet ein eigensangepasstes Linux-Betriebssystem in allen Modellen, die über das R-Link 2-Multimediasystem verfügen. Dieses Infotainmentsystem ist am hochkant montierten „Easy Link“-Touchscreen erkennbar. Durch die Nutzung der Microsoft-Plattform sollen Software-Updates Over-the-air möglich sein.

 

Connectivity im Auto – Erweiterbarkeit des Infotainment wird wichtiger

  • Neben Connected Car-Funktionen wie Navigationslösungen mit Echtzeitverkehrsinfos und Online-Updates, werden auch neue Anforderungen an Multimedia-Services gestellt.
  • Streaminganbieter ala Spotify und Co. müssen auch im Connected Car abrufbar sein. Entweder via Smartphone-Kopplung – wie es aktuell gemacht wird – oder direkt über eine fest im Auto verbaute SIM-Karte und den Bildschirm des Infotainmentsystems.
  • Erweiterbarkeit des In-vehicle-Infotainmentsystems mit Drittanbieter-Apps wird immer wichtiger.

 
 

Gerade die jungen Generationen Y und Z fragen vermehrt nach, ob Ihre liebgewonnenen digitalen Dienste wie Spotify und Co. nicht auch im vierrädrigen Gefährt nutzbar sind. Dazu gibt es folgende Möglichkeiten der Integration seitens der Autohersteller:

  • Smartphone-Integration mittels Apple CarPlay bzw. Google Android Auto. Hierbei erfolgt die gesamte Berechnung der Apps ausschließlich durch das Telefon.
  • Autohersteller-eigener App Store für das Infotainmentsystem. Das ist eine sehr aufwendige Lösung, die zudem das Engagement der App-Entwickler erfordert, Applikationen für das Betriebssystem des Autoherstellers bzw. Autokonzerns zu schreiben. Im günstigsten Fall muss die Android-Smartphone-App „nur“ an die Besonderheiten der Bedienung im Auto angepasst werden. In jedem Fall müssen App-Entwickler aktiv werden.
  • Integration einer bestehenden IT-Plattform. Wenn Autohersteller eine bereits existierende Plattform – wie z.B. Amazon Alexa – in Ihre Infotainmentsysteme integrieren, so könnte der Arbeitsaufwand für App-Entwickler geringer werden. Denn die Skill-Erweiterungen können ja dann nicht nur im Connected Car, sondern auch auf anderen Endgeräten des Kunden genutzt werden.

 
 

Ab dem Kalenderjahr 2021 soll – in allen neu auf dem Markt erscheinenden Modellen von Renault-Nissan – das Betriebssystem „Android Automotive OS“ von Google laufen. Dadurch wird die Navigation dann mittels Google Maps erfolgen, statt wie bisher via Kartendaten vom niederländischen Unternehmen TomTom. Zur Steuerung steht dann neben dem Touchscreen auch der „Google Assistant“ zur Wahl. Auch sollen dann ausgewählte Apps aus dem Google PlayStore zum Download bereitstehen. Bei aktuellen Renault-Modellen hingegen gibt es keine Option, Spotify und Co. direkt zu hören. Man muss immer zwangsweise sein Smartphone mit dem R Link-System verbinden.

Daimler hingegen möchte bei seinem MBUX-Infotainmentsystem auch zukünftig alles selbst entwickeln und arbeitet nur mit ausgewählten App-Entwicklern zusammen. Letztendlich eine geschlossene Plattform.

Es drängt auch Amazons Alexa auf den Beifahrersitz, wie ich hier bereits näher beleuchtet habe. Mit der intelligenten Dame von Amazon lassen sich auch diverse Streaminganbieter direkt ins Auto einbinden. Hierbei kann der Autohersteller jedoch sein eigenes Betriebssystem des Infotainmentsystems weiterhin verwenden. Es muss lediglich eine Fahrzeug-App als Schnittstelle zwischen Connected Car und den Amazon-Servern entwickelt werden. Die Skill-Erweiterungen, die für die Alexa-Plattform geschrieben werden, können auch auf anderen Endgeräten genutzt werden.

 
 

Beispiel BMWs weiterentwickelte Sprachsteuerung „Hey BMW“

 

Der Automobilhersteller BMW entwickelt mit Microsoft zusammen die Weiterentwicklung der „Hey BMW“-Sprachsteuerung. Dabei wird auf die Microsoft Azure Cognitive Services gesetzt, die beim BMW Intelligent Personal Assistant genannten Assistenten zukünftig die (künstliche) Intelligenz darstellen. Wir konnten die neue Iteration hier auf Microsofts Entwicklermesse Build 2019 testen.

 
 

Its all about services

 
 

Microsoft rollt also eine Backend-Plattform für Connected Cars auf den Markt, die von einigen Größen der Branche angenommen wird. Denn der Druck zu Veränderungen wird immer größer. So bestätigte Audi-CEO Bram Schot im Interview mit der Zeitschrift „Auto Motor und Sport“, dass Connectivity der Kaufgrund in China sei. Es ist anzunehmen, dass andere Verkaufsmärkte diesem Trend folgen werden. In welcher Stärke, das kann und wird sich lokal unterscheiden. Man denke nur mal an Netzabdeckung, aber auch an Fragen des Datenschutzes. In China ist beides doch deutlich anders, als hier in Deutschland. Doch die Internet-Generationen Y und Z werden auch hierzulande Ihre Wirkung zeigen.

von Claus Ludewig am 20. Mai 2019

 

https://www.mobilegeeks.de/artikel/autobranche-koop-msft/

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